Klettern in Pulau Berambang

Freunde der Sonne, hier kommt der erste Kletterbericht aus Brunei. Wie angekündigt, war ein Ausflug zu Bruneis Kletterfelsen geplant. Zu fünft ging es auf eine Insel, wo sich neben wundervollen Wanderrouten auch ein paar Felsen befinden. Doch zunächst stärken wir uns mit einem lokalen Frühstück in einem Lokal, welches seit 1946 an Ort und Stelle ist. Es ist Sonntag Morgen, 8 Uhr, und das Lokal ist rappelvoll. Ich esse ein Sandwich mit typischer Marmelade aus Brunei. Dabei unterhalten wir uns und lernen uns kennen, wir sprechen über das Leben in Deutschland und in Brunei, über die Familie und die schönsten Plätze der Erde. Ich erfahre, dass einige schonmal in London waren oder in den Alpen und sie die Alpengegend einfach nur bezaubernd finden. Neidische Stimmen kommen auf, dass für mich die Alpen ja sonst so nah sind. 

Wir erzählen von unseren Geschwistern. Ich berichte, dass ich einen Zwilingsbruder hab, was sie total cool finden. Welche weiteren Geschwister ich habe? Keine. "Nur ihr zwei?" "ja". "Ja, klar, als Zwillinge, aber sonst noch so, ältere oder jüngere Geschwister!?" "nein, keine, nur wir zwei". "ooh, das tut mir leid, das ist ja traurig". Die Locals sind wirklich traurig, dass ich nur einen Bruder habe.
Ich frage "wie viele Geschwister hast du denn?" - "Wir sind 13." Oh! Wir müssen alle lachen.
Ich erkläre, dass es in Deutschland normal ist, dass die Familien nur ein oder zwei Kinder haben, manche 3. Aber ab 4, ist es schon recht viel. Hier geht es mit 4 Kindern gerade erst los. So neugierig wie ich bin über die kulturellen Unterschiede, genauso ist es umgekehrt auch, und wir verstehen uns blendend. 

Danach geht es mit einem der Boote über den Fluss hin zur Insel, dann weiter mit dem Bus.
So zumindest der Plan. 

Wir erhalten die Nachricht, dass der Bus eine Panne hat, aber ein anderer geschickt wird, um uns abzuholen. Und dann ist der Bus da – wir steigen ein, besser gesagt: Auf! Es wird eben improvisiert. Ich genieße die Fahrt und die wunderbare Leichtigkeit. Hier fragt keiner „darf man denn das?“ „haben wir dafür eine Genehmigung?“ oder „ist das sicher?“. Man macht einfach, und die Menschen haben alle irgendwie ein Lächeln im Gesicht und leuchtende Augen, es ist schwer zu beschreiben. 

Angekommen, gilt es wieder mal viele viele Stufen zu bewältigen, bei der Hitze und der Luftfeuchte sind wir nach wenigen hundert Metern klatschnass. Das soll heute nicht besser werden, aber auch egal. Der erste Felsen ist nicht sehr hoch, sieht aber spannend aus und hat eine Schlüsselstelle – bei der man extrem hoch antreten muss.

 


Die zweite Wand ist breit und noch wenig erschlossen. Das Seil hängt Ronney ganz außen ein – damit klettern wir eine Route, die niemand zuvor gegangen ist. Wow! Was für ein Gefühl. Wir dürfen ihr einen Namen geben. Die Route ist nicht einfach und recht lang, so dass ich gut ins schwitzen komme. Es gibt viele klitzekleine Risse, aber der Fels ist auch teilweise recht scharfkantig. Eine Muschel bricht heraus, als ich mich hochziehen möchte. Ronney lässt uns den Schwierigkeitsgrad der Route schätzen, wir einigen uns auf 6b bis 6c, ganz oben 7. Grad. Ich möchte sie nochmal versuchen, und versuche, mir so ein paar Stellen zu merken. A propos merken: Ich merke meine Muskeln vom Body Workout vom Vortag. Und die Wärme merke ich auch, ist ja aber nichts neues.

Wir queren nochmal über den Gipfel und kommen an den letzten Fels für den heutigen Ausflug. Ein kleiner Kamin mit einem Riss – sonst ist da quasi nix. Na das kann ja was werden, ich möchte es aber auf jeden Fall versuchen. Ich schaue mir die Stellen genau an und überlege, wie ich das klettern könnte, aber meine Idee lässt sich weniger gut umsetzen als gedacht. Ich bekomme Tips von unten und hab öfters ein großes Fragezeichen im Kopf („häääh??“), versuche die Tips jedoch umzusetzen. Obwohl es sich total komisch anfühlt (Füße hoch! Höher! Noch höher!), stelle ich lachend fest, dass es funktioniert. Bis das jedoch flüssig wird, muss ich noch viel üben – was ich mir direkt fest vornehme. Sobald wir in die Apartments ziehen, ist die Kletterhalle viel näher und ein Sprung dahin am Abend lohnt sich eher mal.

Wir kehren bei Gewittergrollen zurück – selber Bus – selbes Boot, und gehen noch zusammen essen. Gut, dass ich wenigstens ein Wechselshirt dabei habe, wer im Wald spielt, sieht abends entsprechend aus. Das Essen ist wieder absolut hervorragend und wir lachen über unsere Erfahrungen am Fels. Wir tauschen Nummern und Fotos aus und ganz wichtig – Instagram Profile – und ich werde schon jetzt eingeladen, beim nächsten Mal nach dem Klettern die besten Waffeln des Landes zu probieren. Zudem erhalte ich so viele Tips, wo ich unbedingt mal hin fahren oder fliegen muss, bekomme viele Fotos gezeigt, und erstelle mir am Abend noch eine Liste.

Rudi hat auch neue Freunde gefunden. Wir lachen noch darüber: "Wenn er noch dort wäre, würdest du zurückfahren und gehen und ihn holen? Auch bei dem Gewitter und jetzt nachts?" - "ja, na klar! Keine Frage". :-) "Man lässt niemals einen Freund zurück." Wir lachen, sie nicken und wissen genau, was ich meine.

Na da! Es gibt viel zu entdecken. Ich halte euch auf dem laufenden.

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Kommentare: 3
  • #1

    rose (Samstag, 23 März 2019 15:08)

    ja, da wird mir schon beim zuschauen schwindelig... toll, dass du da eine klettergruppe aufgetan hast

  • #2

    Willi Müller (Samstag, 23 März 2019 20:41)

    Toller Bericht, immer sehr amüsant deine schreiben. Lass dir es gut gehen.

  • #3

    Hazen (Sonntag, 31 März 2019 20:25)

    Was ist das denn für ein Gestein? Sandstein? Kalkstein? Martin rätselt...