Bali - traumhaftes Wochenende

Ein langes Wochenende in Bali – wenn man schon mal in der Gegend ist. Den Freitag habe ich mir freigenommen, so dass ich Donnerstag Abend schon im Flieger saß. 2h bis zur anderen Insel, etwa die gleiche Zeit habe ich dann zur Immigration und für die 30km bis zur Unterkunft gebraucht. Das hab ich so noch nie gesehen – ich hab schon bei der Buchung einen Shuttle gebucht und mir wurde gesagt, der Fahrer wartet am Flughafen auf mich mit einem Schild. Was sie nicht sagten, war, dass da nicht 1 Fahrer wartet, sondern hunderte. Massen an Menschen, hunderte Schilder werden in die Luft gehalten mit Namen von Personen oder Hotels drauf. Wer sucht, der findet. Also gehe ich die Menschenschlange ab und lese jedes Schild – und finde meinen Namen. Spitze! Mein Fahrer ist da, und hat über 1h auf mich gewartet. Ich hatte schon Angst, dass er dachte, ich komme nicht, aber er kannte das Gewusel und die Dauer der Einreise und war total entspannt. 30 Kilometer auf Bali sind tatsächlich eine gute Stunde Fahrtzeit, man fährt einfach nicht so schnell und die Straße sind eng. An Kreuzungen wird sowieso gehupt, um zu signalisieren „ich komme“, auch nachts 1 Uhr.  Ich falle nur noch ins Bett und erkunde am ersten Tag erst einmal Ubud. 

Am Tage lebt die Stadt, wahnsinn. Es gibt unendlich tolle Geschäfte, ich könnte kaufen ohne Ende, so schöne Sachen gibt es. Ich werde kurzfristig zum Millionär – in indonesischen Rubiah. An jeder Straßenecke und zwischendrin gibt es immer wieder Tempel, vor jedem Haus steht Räucherwerk, in den Geschäften riecht es so gut, und die Menschen sind enorm freundlich – teilweise leider auch etwas aufdringlich („hier, kauf das. Probier es an! Schau, schön!, passt gut! Ich mach dir einen guten Preis!, Cheap!! Komm herein. Das! Schau! Schöne Farbe!“). Ein Nein wird jedoch akzeptiert. Ich teste die indonesische Küche und kaufe lokale Gerichte, es schmeckt so wunderbar. 

Nach meinem Kaufrausch besuche ich den Monkey Forest, sozusagen ein Park mit frei lebenden Affen. Die Affen sind Menschen gewöhnt und sehr zutraulich, ich halte dennoch Sicherheitsabstand. So ganz geheuer ist mir das nicht. Gerade die kleinen Äffchen sehen sooo süß aus, aber irgendwoe ist da immer ein großer in der Nähe, mit dem ich mich lieber nicht anlege. Manche Wege sind sehr schmal und dann sitzt da mitten auf dem Weg ein Affe – geh ich da nun vorbei oder nicht? Ich entscheide mich dafür, es wie mit Hunden zu handhaben. Nicht in die Augen gucken. In diesem Park gibt es wirklich ein paar schöne Ecken und ich lasse mir entsprechend Zeit. 

Hier gibt es zudem an jeder Ecke ein Spa, Massagen, Yoga, Wellness, … man kann sich vor Angeboten kaum retten. Ich werde auf jeden Fall das Yoga Barn ausprobieren, und habe noch am Abend eine Klangschalenbehandlung gebucht für Sonntag Abend - ein Neumond Special.

Am nächsten Tag geht es mit einer gebuchten Tour zu einigen Tempeln, einer Kaffeeplantage und zum Mount Batur.

Ich wurde wie versprochen direkt am Hotel abgeholt. Die Reisegruppe bestand aus mir und zwei Jungs aus Chile, sehr nett, haben uns gut verstanden, so dass wir auch etwas flexibel mit dem Fahrer verhandeln und entscheiden konnten, wohin wir zuerst fahren und wieviel Zeit wir jeweils einplanen. Es stand viel auf dem Programm. Der Elephant Cave Temple war unser erster Stop. Hier kauften wir zunächst einen Sarong, damit wir die Tempelanlage betreten dürfen. Das Tuch ist ja vielseitig einsetzbar. Wir bekamen noch ein paar Minuten eines Rituals mit, was sehr schön anzusehen war, und wieder hat mich dieses Räucherwerk begeistert. Es riecht einfach überall so gut ! Der Elephant Cave Temple, auch Goa Gajah genannt, wurde im 9. Jahrhundert als Heiligtum erbaut und gehört heute zum Unesco Weltkulturerbe.

Ein paar Stufen hinab ging es zum Buddha Tempel. Hier wurde ich gesegnet. :-) 

Temple Rocky

Auf zum nächsten Tempel – ein Hindu Tempel mit ganz vielen Stufen und Reisterrassen. Auch hier wieder erst einmal vorbei an einigen Shops mit viel Bedrängnis. Nervig! Stehen bleiben kannste nirgends – ist fatal. Dafür war der Tempel echt beeindruckend. Super schön. Bevor man den eigentlichen Tempel betritt, muss man seine Schuhe ausziehen – nur barfuß. Ich finde das so schön, dass ich beschließe, noch ein wenig weiter barfuß zu laufen, bis ich wieder auf die Straße komme. Ich treffe eine Frau, die auch alleine unterwegs ist, perfekt, um mal ein Foto machen zu lassen. Kennt ihr das? Manche kriegen keine guten Fotos hin – und andere haben einfach einen Blick für gewisse Sachen. Perspektive heißt das Zauberwort. Die Tempelanlage liegt direkt im Grünen, umgeben vom Urwald, das ist so schön, die Atmosphäre irgendwie besonders. Hier könnte ich noch einige Zeit länger bleiben. 

Aber es geht weiter zum Holy Spring Temple. Die heilige Quelle ist für viele eine Ort, herzukommen, um sich zu reinigen oder Segnung zu erhalten. An dieser Quelle werden zahlreiche Rituale durchgeführt, das Wasser wird zur Taufe verwendet oder zur Segnung der Ehe. In 2 Tagen ist Neumond, daher sind zu dieser Zeit die Reinigungsrituale ganz besonders, steht doch der Neumond für das „Loslassen“ und den Beginn eines neuen Zyklus. Bei dem Ritual ist ganz schön was los und auch hier sind wieder überall Räucherwerke. Männer und Frauen nehmen hier gleichermaßen teil – Frauen ist es allerdings während der Menstruation nicht gestattet, einen Tempel zu betreten. Die Quelle selbst ist spannend und vulkanischen Ursprungs. Die Farben im Wasser sind unbeschreiblich und schon irgendwie magisch. Bevor man die Anlage wieder verlassen kann, wird man vom Weg wieder entlang von Verkaufsständen geführt – ein Labyrinth durch die Verkaufsstände. Ich schmunzle über den Gedanken „Stehen bleiben ist Lava“ – und bin dann doch genervt von den ganzen Belagerungen. Mein Blick verweilte für 2 Sekunden an einem Rock, schon wurde ich von 2 Frauen umzingelt „kaufen kaufen“ „komm rein“ „probier an!“ „Schöne Farbe“ „gute Preis“ „billig!“ „Yes yes“… ich ergreife schnell die Flucht. Super nervig, anstrengend, und die Verkäufer reagieren auf ein „Nein“ recht aggressiv – das ist mir nix. Klasse ist auch – sagt man „nein“, kommt ein „YES?!“, so, als würde man es sich dann nochmal überlegen, wenn man nur oft genug „JA“ gesagt kriegt. NEIN!

Ich gönne mir einen Smoothie, frische Früchte und dann geht’s weiter zur Kaffeeplantage. Hier werden Kakao- und Kaffeebohnen angebaut, wir sehen den unterschiedlichen Reifegrad der Früchte und dürfen allerlei Kaffee und Tee verkosten. Der Kakao schmeckt lecker – ohne Zuckerzusatz, ohne künstliche Stoffe. Auch die Schokolade ist super und wird auch ohne Milch und Zucker hergestellt. Zum Süßen wird Kokosnuss verwendet. Vorteil: Wesentlich gesünder und die Schokolade schmilzt nicht, was bei den tropischen Temperaturen hier ja schon ein kleiner entscheidender Vorteil ist. Hier wird auch der weltweit bekannte (hab ich vorher noch nie von gehört) Luwak Kaffee hergestellt. Luwak – das sind Tiere, Luwaks eben – kennt ihr nicht? Laut Google gehören die zu den Schleichkatzen, auch genannt „Fleckenmusang“. (Ich denke an unser Spiel von früher, welches wir beim Wandern immer gepsielt haben „Ich kenne ein Tier mit F“ und werde mir Fleckenmusang definitiv merken – kommt niemand drauf! :) ) 

Nun, diesen Luwaks werden die Kaffeebohnen zum Futter gegeben. Die Luwaks verdauen die Kaffeebohnen nicht wirklich und scheiden diese wieder aus. Die ausgeschiedenen Bohnen werden aufgesammelt, gereinigt und geröstet, also zu Kaffee verarbeitet. Man erklärt uns, dass der Kaffee nicht so sauer ist, weniger Koffein hat, milder ist, und dass eine Tasse in ausgewählten Cafes um die 50 Dollar kostet. 

Unsere Mägen melden sich mit Hunger – wie gut, dass wir nun Richtung Mount Batur düsen, ein Vulkan, auf welchen wir eine wunderbare Aussicht haben und ein balinesisches Bufett essen. Satespieße, Reis, Nudeln, Gemüse, Früchte, eine tolle Auswahl. Was ich nicht kenne, probiere ich, und es schmeckt alles gut. Auf den Mount Batur gibt es eine Tour zum Sonnenaufgang, diese geht 2 Uhr nachts los. Hätte ich ein wenig mehr Zeit, würde ich das mal in Angriff nehmen, aber so bringt es meinen ganzen Tagrhythmus durcheinander. Ich stelle mir den Sonnenaufgang vom Gipfel aus bezaubernd vor – und nehme mir vor, mal wieder herzukommen. 

Es gibt noch einiges zu entdecken. Wir haben danach die Option, noch einen weiteren Tempel anzusehen mit einem kleinen Dorf, was aber wohl ganz ähnlich ist wie in Ubud, oder zu den Reisterrassen zu fahren und uns dort ein wenig mehr Zeit zu lassen. Reisterrassen! So schön da. Hier gibt es auch die „Bali Swings“, Schaukeln zum Fotos machen. Es stehen noch einige an und ich entscheide mich, lieber etwas in den Reisterrassen spazieren zu gehen. Der Reis ist gerade etwa 2 Monate alt und braucht noch einen weiteren Monat bis zur Reife. Man sieht jedoch schon die ersten Körner. Ich unterhalte mich mit einer Farmerin, die mir von der Arbeit und dem Alltag erzählt. Harte Arbeit, der Reis wird per Hand gesenst. Und wieder einmal denke ich, dass manche Probleme, die wir auf unserer Arbeit im Büro haben, so unwesentlich sind. Wir sorgen uns um Dinge, die nicht der Rede wert sind. Wir stressen uns mit „Terminen“, die wir uns selbst setzen. Wenn wir dann für eine Aufgabe doch länger brauchen, passiert ja auch nichts. Die „Präsenzkultur“, das Leben im Hier und Jetzt, scheint mir doch sehr gesund zu sein. Man weiß nicht, was morgen ist, sich darüber zu sorgen, trübt nur den Moment, und in der Vergangenheit weilen hilft auch nichts – es ist vergangen, Geschehenes können wir nicht ändern. Das Jetzt ist also das, was bleibt. 

Zurück in Ubud suche ich das Yoga Barn auf und nehme an Yoga Nidra teil – mit Klangschalenmeditation. Auf dem Rückweg komme ich noch am Klangschalenladen vorbei und werfe einen Blick hinein. Wunderschöne Schalen mit wunderbaren Klängen – leider zu groß für mein Gepäck. Der Ladenbesitzer ist sehr freundlich und wir erzählen eine ganze Weile. Wie wunderbar es ist, dass wir mit unseren Liebsten über digitale Medien Kontakt halten können, das wäre vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen. Er erzählt mir, dass seine Frau vor 2 Jahren verstarb, und manchmal führt er da eine kleine Traurigkeit, die Klangmeditation hilft ihm aber. Kann ich gut verstehen. 

Am nächsten Morgen darf es yogatechnisch etwas mehr ein – Power Yoga mit Nadine steht um 9 Uhr auf dem Programm. 90 Minuten Kraftübungen könnte man sagen. Ich staune über manche Mädels, wie flexibel sie sind und die Asanas halten können. Ich schlage mich jedoch auch gar nicht mal so schlecht, schwitze aber auch aus jeder Pore. Der Mann neben mir guckt immer mal anerkennend zu mir rüber, ich lächle aufmunternd zurück. Nach der Yogastunde fragt er mich, wie lange ich das schon übe und ob ich es auch so anstrengend fand. Aber natürlich. J Er bedankt sich bei mir (ich frage mich wofür eigentlich) und wünscht mir noch einen fabelhaften Tag. Als Belohnung gibt’s einen frisch gepressten Saft und eine Dusche. Bereit für Ubud, noch ein wenig schlendern gehen.

 

Ich hatte ja schon von der Belagerung der VerkäuferInnen erzählt… – dasselbe Spiel spielen übrigens die Taxifahrer auch – an jeder Ecke, alle 10 m, soll man irgendwo mitfahren. Überall wird man angesprochen – auch über Straßenseiten hinweg „Taxi?“ „Yes Ma‘am?!“. Es geht den ganzen Tag, ohne Unterlass „Taxi taxi taxi“. „NO!“ „YES??!“ – für einen kurzen Moment hatte ich am Abend das Gefühl, wenn ich jetzt noch EIN MAL das Wort „Taxi“ höre, dreh ich durch. Davor hat allerdings der Humor gesiegt – und ich habe beschlossen, verschiedene Taktiken zu probieren: Ignorieren – funktioniert gelinde gesagt schlecht. Man wird nur noch lauter gefragt, als ob man das nicht gehört hätte…. „No“ antworten – dann hat man ja bereits Kontakt aufgenommen, und es wird versucht, mich zu überzeugen – vielleicht ja doch? – eher nicht. Der unsichtbare Umhang fehlt mir leider. Also: Lächeln! „Danke nein – have a good day“. „Thank for your smile, Ma’am“! (Danke für das Lächeln). Gut, so kanns funktionieren, ist nur auf Dauer auch anstrengend. Immerhin musste ich lachen. 

Ich genieße noch ein wunderbar leckeres balinesisches Essen – Reis mit Spießen und frischem Gemüse. Es schmeckt so gut. Das Wochenende klingt dann am Sonntag Abend mit einem „Sound Bathing“ aus, inklusive astrologischer Lesung zum Neumond. Für Fische ists ein ereignisreiches Jahr. So eine Überraschung J Bei den Klängen kommt man in tiefe Entspannung und wird auf eine Traumreise geschickt, das war total super. Mir kam es kurz vor, tatsächlich waren es 90 Minuten, plus anschließendem Tee und einem Keks. Ich treffe ein Mädel aus Berlin, nachdem wir uns etwas auf englisch unterhielten, fiel uns auf, dass wir ja auch deutsch sprechen können. Bali ist wirklich ein Traum, die 3 Tage waren viel zu kurz und ich nehme mir vor, noch weitere Ecken der Insel zu erkunden. Ich komme wieder! 

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Kommentare: 2
  • #1

    rose (Samstag, 01 Juni 2019 23:48)

    endlich alte neuigkeiten!!!! ich war schon ganz ungeduldig und freue mich, wenn du auch über japan schreiben kannst. alles gute für deine neuen kommenden abenteuer... du bist ja schon echt lange weg <3

  • #2

    Micha (Sonntag, 02 Juni 2019 13:20)

    Echt schön, wie du schwärmst, voll gut. Liebe Grüße.