Tokio - Metropole in Japan

Urlaub! Und was machen wir da? Natürlich reisen. Ich nehm euch jetzt mal mit auf ein Abenteuer – Tokio.

Das Fliegen kennen wir ja bereits – ich fliege nachts, kurz vor 1 Uhr heben wir ab, 5 Uhr scheppern schon die Frühstückswagen am Gang vorbei, und wessen Sitz ist nicht verstellbar, weil er unmittelbar am Notausgang ist? So, genau so hab ich also geschlafen. In Tokio gelandet mach ich mich kurz frisch, Zähne putzen am Bahnhof, suche mir eine Bahnverbindung in die Innenstadt und ab die Post – ich beschließe, meinen Koffer irgendwo einzuschließen und mir dann ein nettes Plätzchen fürs zweite Frühstück zu suchen. Orientierung hab ich erstmal Null, laufe kreuz und quer und warte auf den ersten Aha-Effekt. Der auf sich warten lässt. Kurz habe ich die Sorge, dass ich das Schließfach meines Koffers nie und nimmer wiederfinden werde. Aber gar nicht dumm, ich setze mir im Handy einen Wegpunkt „hier habe ich geparkt“. (Später stelle ich fest dass ich den doch nicht brauche, denn – Aha-Effekt, da war er! :-) )

Ich bin in Shibuya, und stehe mir nichts dir nichts an der großen Kreuzung. Mit mir ein paar andere auch… 3 Guides sprechen mich an und bieten ihre Hilfe an. Ich weiß zwar WO ich bin, weiß aber nicht, in welche Richtung ich laufen muss. Mit der Hilfe klappts gut. Ich bekomme noch den ein oder anderen Geheimtipp, den mir die Dame –natürlich auf japanisch auf meine Mappe schreibt. Das kann ja was werden. Sie zeigen mir, welche Straße welche Richtung auf der Karte ist, und ich laufe los. Doch zuerst muss ich beim Hachiko vorbei, der hier immer gewartet hat. Ich laufe mehrfach über die berühmte Kreuzung „Shibuya“ und bin genauso wie die anderen Touris auch – Selfies auf dem Zebrastreifen. 

Das muss ich mir nochmal von oben anschauen und gehe aufs Observation Deck. Großartig, wie die Ampeln geschaltet sind – alle Fußgänger laufen auf den Zebrastreifen auf einmal los. Weiter geht’s Richtung Yoyogi Park und zum Meiji Shrine. Die grüne Oase tut nach dem langen Flug und der Bahnhofshektik gut. Ich komme an Reissäcken und Weinfässern vorbei. Der Meiji Shrine wurde 1920 erbaut und im zweiten Weltkrieg zerstört, aber wieder neu aufgebaut. Die Reissäcke und Weinfässer sind Abgaben zu Ehren.

Was für ein Tag, ich falle enorm müde ins Bett. 

Tag 2:

Ich bin Touri, und klappere natürlich auch ein paar Touri Spots ab – bspw. heute das Monster Cafe. Was für eine schrille bunte Welt. Kinder feiern hier ihren Kindergeburtstag und es gibt eine kleine Show. In Tokio gibt es zahlreiche solche Themencafes, alle irgendwo übertrieben. Im Yoyogi Park ist ein Street Music Festival, das klingt richtig gut! Aber ich will weiter zum Sensoji Tempel, Tokios bedeutendster und ältester Tempel. So langsam habe ich das mit der Metro und Subway auch raus – verschiedene Linien gehören zu verschiedenen Anbietern und daher braucht man auch verschiedene Tickets. Aber der Plan liest sich, nachdem man sich einmal reingeguckt hat, recht einfach, jede Station ist nummeriert, und die Nummern weisen auch auf die Richtung hin. In den unterirdischen Labyrinthen der großen Bahnhöfe (und ja, riesige Labyrinthe!) verläuft man sich dann also nur noch manchmal :-)

In Asakusa gibt es einen riesigen überdachten Markt, tausende kleine Shops, und natürlich auch tausende Touris. Und überall: Essen! Lokale Gerichte, lokale Köstlichkeiten, ich könnt mich ja durch alles durch probieren und beschließe, nächste Woche wieder mehr laufen zu gehen… J Im Gedränge treibt es mich Richtung Tempel. Immer wieder kommen Gruppen vorbei, die eine Sänfte tragen und dabei rhythmisch „singen“, na, Singen kann man das eigentlich nicht nennen… Es handelt sich hierbei um eine sogenannte „Mikoshi“ (Göttersänfte, tragbarer Schrein), welche bei den Schreinfesten (Matsuri) mit Hilfe von Balken gestemmt wird und mit lauten, rhythmischen Rufen durch die Straßen getragen wird. Ich sehe viele solcher Gruppen und frage mich, wie schwer wohl so eine Sänfte ist. Leicht sicher nicht.

Ich folge dem Strom zum Tempel, man hat quasi auch kaum eine andere Chance.

Der Tempel ist buddhistisch, was mir direkt gut gefällt und ich ziehe ein „Orakel“, ein „Omikuji“. Das ist ein Glücksorakel, welches man durch Schüttel einer Schachtel erhält. Aus der Box fällt ein Stab, auf dem eine Zahl geschrieben ist, diese sucht man und öffnet die entsprechende Box. Hieraus entnimmt man sich einen Zettel mit seinem Glücksorakel. Die Wahrsagung ist entweder:

 

Großes Glück (大吉, dai-kichi), Mittleres Glück (中吉, chū-kichi), Kleines Glück (小吉, shō-kichi), Glück (kichi, 吉), Halbes Glück (半吉, han-kichi), Beinahe-Glück (末吉, sue-kichi), Beinahe-Kleines Glück (末小吉, sue-shō-kichi), Pech (凶, kyō), Kleines Pech (小凶, shō-kyō), Halbes Pech (半凶, han-kyō), Beinahe-Pech (末凶, sue-kyō), Großes Pech (大凶, dai-kyō). 

Die Wahrsagungen können auf beliebige Aspekte des Lebens angewendet werden. Zieht man ein schlechtes Orakel („Pech“), ist es Brauch, das Omikuji zusammenzufalten und an einer Kiefer zu verknoten. Das Unglück verweilt nun am Baum, anstatt sich an die Person zu heften.

Meine Glückskarte ist ganz in Ordnung, diese kann ich behalten.

Der Tempel ist richtig schön und nicht umsonst DIE Touristenattraktion in Tokio.  Am Tempel gibt es auch eine „Spendenbox“, hier wird kurz gebetet und dann Münzen reingeworfen. Es klimpert und klirrt die ganze Zeit und hört sich an wie Musik, aber ich hab das Gefühl, im Gedränge fast erdrückt zu werden. Was mir auffällt: Bevor man betet oder eine Münze wirft, klatschen alle 2x laut in die Hände. *klapp klapp* Ich erfahre am Abend, dass es ein Zeichen ist „Hallo „Gott“, ich bin hier“, einfach, um auf sich aufmerksam zu machen. Dabei erfahre ich auch, dass die Japaner fast alle nicht religiös sind, in dem Sinne, wie wir es kennen. Ein großer Unterschied zu Brunei. Im orientalischen Markt erstehe ich endlich mein gewünschtes Matchaset, eine schöne Matchabowle und echten Matchatee – das wird fein im Büro. Abends gehen wir gemeinsam essen in ein sehr lokales Restaurant, hier ist nix auf englisch, aber meine Gastgeber bestellen eine bunte Auswahl. Man könnte fast sagen, japanische Tapas – und es schmeckt alles sooo gut. Es ist typisches Essen aus dem Süden Japans, toll zubereitet. Dazu gibt es Sake – Reiswein. Nach 1 Glas dreht es im Kopf. Lohnt sich, da nehme ich mir eine Flasche mit am Ende der Woche. Eisgekühlt schmeckt der wirklich hervorragend. Es gibt wohl einen Laden, da kann man tausende Sorten probieren. Bzw. was heißt kann – „Muss“. Ich werde berichten :-)

Noch eine kleine Anekdote: Tokio ist enorm gut sortiert und sauber, was mich echt überrascht. Es gibt überall Toiletten, die kostenlos sind, super gepflegt, sauber, und teilweise sogar beheizt. Man könnte sogar leise Musik hören, wenn man denn möchte… Kuriose Welt. Selbst am Bahnhof – absoluter Hightech. Während ich in Deutschland ja Bahnhofstoiletten meide, ist das hier eine absolut sichere Angelegenheit. Nur so am Rande :-)

Tag 3:

Yoyogipark ist ja ganz in der Nähe, ich muss hier auf jeden Fall mal joggen gehen, ich will sagen können „Ich bin mal in Tokio gelaufen“. Also Laufschuhe geschnürt und ab die Post, mit mir sind viele andere unterwegs. Dann ein Matcha Latte zum Frühstück, einen Geocache gefunden (yeah), Kleidung geshoppt, im Bahnhof im Schließfach eingeschlossen (merke: welche Ausgang, welcher Flur, welche Etage…. Besser ist das), und dann auf zur nächsten Citytour. Ich will zum Mori Tower und ins Hard Rock Cafe. Mit dem Metro 24h Ticket kann ich wild herumfahren, das nutze ich heute aus. Im Mori Tower gibt es zwei Museen – das Pixar Museum „Wie alles entsteht“ und Mori Art, Tokios Künstler. 

Beide sind auf der 52. Etage, von der aus man einen guten Blick über Tokio werfen kann. Das Pixar Museum erklärt, wie die Filme entstehen, es ist schon beeindruckend, was da alles dazu gehört und wann welche Ebenen hinzugefügt werden. Die Lichtsetzung finde ich besonders beeindruckend, wie kleinteilig und wissenschaftlich das alles gemacht wird, damit es „lebendig“ aussieht. Das Mori Art Museum stellt ganz eigentümliche Kunst aus. Spannend ist ein Bild mit Katzen „Ich rufe die Katzen der Welt“, mit deutscher Schrift, davor sind tatsächlich tausende kleine Katzen Keramikfiguren.  

An Tag 4 geht es nach Kyoto, in die alte Kaiserstadt, das wird aber ein extra Blogbeitrag!

Nach 5 Tagen Kyoto lande ich wieder in Tokio, esse im Udon traditionelle Udon Nudeln mit Shiitake Pilzen. Ich war nie ein großer Pilzfan, als Kind habe ich mir sogar jeden Pilz akribisch aus dem Essen raus sortiert, aber Shiitake Pilze? Wie gut sind die denn?? Veränderungen überall, ich werde hier noch zum Pilzfan, wer hätte das mal gedacht. Schön: Die Shiitake Pilze kann man sich hier leisten. Also, Udon Nudeln, sehr empfehlenswert, einfache traditionelle Küche, aber so gut! Das „Restaurant“ ist schon einen Blick wert, dezente Deko würd ich mal sagen, für Anime Fans ein absolutes Muss. Die Udon Nudeln kann man sogar im Sommer gut essen, denn sie werden wahlweise auch kalt serviert.

Am letzten Tag klappere ich noch ein paar Stops ab – Tokyo Station, wirklich groß mit großem Einkaufszentrum, den Sengakuji Tempel mit den Gräbern der 47 berühmten Ronins. Hier kafufe ich noch Räucherwerk, was ich auf den Gräbern verteile. Das verbreitet eine ganz besondere Stimmung. Der tempel ist unscheinbar und auch Touristen findet man hier kaum, 2-3 vereinzelte Menschen. Doch die Geschichte der Ronins ist umso bedeutender. Ich beschließe, das Buch einmal zu lesen. Danach fahre ich nach Shinjuku, in den absoluten Trubel Tokios. Was für Massen, tausend Geschäfte und Cafes, ich denke, hier steppt der Bär. Mir ist das aber nach einer guten Stunde genug und ich spaziere zum Gyoen Park, eine Oase inmitten dieser pulsierenden Stadt. Erstaunlich, was Bäume ausmachen, der Trubel ist plötzlich ganz weit weg. Ich schaue mir da Gewächshaus mit allerlei tropischen Pflanzen an und entspanne dann im japanischen Garten auf einer Bank. Total lauschiges Plätzchen. Da wird es fast unwirklich, dass ich mich gerade mitten in Tokio befinde.

Am Abend habe ich leider Pech, ich will den Sonnenuntergang vom Government Building aus sehen, hier kann man kostenlos bis ganz nach oben fahren. Doch am Eingang ein Schild: Heute wegen Inspektion geschlossen. Schade! Warum müssen die so eine Inspektion am Samstag Abend machen? Also wird es leider nichts mit dem Sonnenuntergang-über-Tokio – Foto, dann eben beim nächsten Mal. Und nun euch noch viel Freude mit der Galerie. 

 

GUckt mal: Essen! Und ein Laden nur für Essstäbchen!

und weitere Eindrücke:

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Kommentare: 3
  • #1

    Jo (Sonntag, 23 Juni 2019 16:50)

    Sehr schöner Beitrag, bin jetzt schon auf den nächsten gespannt! :)

  • #2

    Micha (Sonntag, 23 Juni 2019 23:06)

    Was wohl in deinem Glücksorakel stand...

    Machst du das eigentlich fast alles alleine? Ich bin neidisch. ;)

  • #3

    Michael (Donnerstag, 11 Juli 2019 18:00)

    Sehr schön, erinnert mich an Seoul, da ist auch alles sauber. Ist das in Tokio auch so, dass es fast keine Abfalleimer gibt, weil eh keiner was wegwirft?