Bali die Zweite

Mein Projekteinsatz hat Halbzeit. Nun, genau genommen wäre es sozusagen das Finale, aber der Einsatz wurde verlängert. Statt zurück nach Deutschland zu fliegen, kommt meine Familie in den Osten und wir treffen uns für „Familytime“ auf Bali. Ziemlich praktisch, wenn man mit einem 2 Stunde Flug von Brunei aus dort ist und der Urlaub auf einen Feiertag in Brunei fällt – das lange Wochenende kann ich gut nutzen. Es verschlägt uns wieder nach Ubud, wo ich schon einmal war. Wir treffen uns zunächst beim ausgiebigen Frühstück, um dann Ubud zu Fuß zu erkunden. Und natürlich muss ich meiner Familie den Monkey Forest nochmal zeigen. Die Sache mit den Affen ist auch ihnen nicht ganz geheuer, zumal die Affen ja wirklich auf Tuchfühlung gehen. Wir treffen eine Frau, die einen Affen auf den Schultern sitzen hatte – der da auch nicht mehr runter wollte und alle, die ihnen zu nahe gekommen sind, angefletscht hat. Diese Zähne! Danach gehen wir typisch balinesisch essen, sehr lecker. Auch den lokalen Markt haben wir mitgenommen, balinesischen Kaffee probiert und einen Luwak gestreichelt. Ganz schöne schwere Katze, wenn man sie so auf dem Arm hat. Das Eis schmeckt lecker, die Crepes am Abend als Dessert auch – mit gesalzenem Karamell, erste Sahne!

Den nächsten Tag starten wir nach dem Frühstück noch relativ planlos, ein Taxifahrer gibt uns aber gute Tipps, ist total sympathisch, und bietet sich uns als Fahrer für den Tag an. Also los geht’s, und fix ist der Tag doch mit Vorhaben gefüllt. Als erstes zum Wasserfall Tegenungan, der schon wirklich schön ist. Wie die Wassermassen da herunter rauschen. Ich wollte näher ran um Fotos zu machen, von der Gischt wird man aber echt schnell nass, selbst wenn man noch gar nicht so nah dran ist. Hier baden wir nicht, denn wir haben heute keine Badesachen dabei. Danach geht’s zum Elephant Cave, diesmal mit mehr Zeit, denn wir sind dank unseres Fahrers ungebunden. Die Jungs sehen super aus mit ihren Sarongs. Weiter geht’s zum Holi Spring Temple, denn den fand ich ja auch beeindruckend, mit dieser Quelle und dem Wasserritual. Auch diesmal können wir dies miterleben, wenn auch viel weniger los ist als beim letzten Mal. Denn zum Neumond oder Vollmond sind diese Rituale noch einmal mehr etwas ganz besonderes. Diese ganzen kleinen Gebetschälchen fallen uns diesmal noch mehr auf. Nach diesen Eindrücken werden wir müde und denken an einen schönen Kaffee , wollen diesen aber an den Reisfeldern trinken und noch etwas in der Sonne sitzen.

 

 

Was ich schon gar nicht mehr kenne, dass man anfängt zu frieren, wenn es etwas frischer wird. Und so ohne Sonne, nur im Schatten gegen Abend, als ein Wind aufkam, wurde es mir frisch und ich fror. Hab ich ewig nicht mehr erlebt, dass man abends einen Pullover anziehen muss. Logischerweise hatte ich auch keinen dabei. In der Sonne geht’s aber, ich merke mir das für den nächsten Tag. Wir sitzen da also in der Sonne und schauen auf die Reisfelder, und ich denke, was ein Glück. Wieder mal. Welch ein Glück, einfach hier zu sitzen und es genießen zu können. Leider ist das Reisfeld ziemlich abgeerntet, der Boden hat gerade Pause, bevor der nächste Reis gepflanzt wird. Unser Fahrer erklärt uns, dass unterschiedliche Sorten verschieden lang brauchen, bis sie reif sind, und dementsprechend teurer oder günstiger sind. Der weiße Reis, den wir kennen, braucht etwa 3 Monate, das ergibt 3 Ernten pro Jahr (1 Monat Pause für den Boden). Der rote Reis oder der schwarze braucht länger, ca. 4 Monate oder sogar 5, da die Pflanzen auch länger sind und größer wachsen. Und irgendwie haben wir den Eindruck, dass hier auch der Reis trotzdem anders / besser schmeckt als in Deutschland. Auf dem Rückweg erstehe ich noch eine aus Stroh geflochtene Tasche, Liebe auf den ersten Blick. Mein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, ich freue mich total – wie cool das ist, im Juli noch ein Geburtstagsgeschenk zu bekommen, erlebt man als „Im-Februar-Geburtstag-Haber“ ja auch nicht alle Jahre. Abends essen wir klassisch balinesisch im Zentrum von Ubud, das ist wieder einmal so lecker!

Wir haben an diesem Tag auch über das derzeitige Fest hier in Bali gelernt. "Galungan", ein Fest der Hindus, ist ein sehr wichtiges Fest für Bali, welches 10 Tage dauert, in denen man viel meditiert und die Schöpfung des Universums zelebriert. Der letzte Tag ist etwa vergleichbar mit Allerheiligen. Alles ist geschmückt, die Straßen werden von typischen Bambusstäben geziert, die teilweise an jedem Haus zu finden sind. Diesen Bambusschmuck gibt es derzeit hier auch überall zu kaufen.


Nachdem wir also die Umgebung von Ubud erkundet haben, geht es am nächsten Tag in Balis Norden. Wir haben eine Tour gebucht, sind und bleiben dennoch nur zu viert, und sind dadurch sehr flexibel. Unser Fahrer wartet auf uns, wir können uns Zeit nehmen so viel wir wollen, ohne Stress und Hektik. Wir fahren durch tolle Landschaften, unser erster Stop ist am Bratan-See in der frühen Morgenstunde. Die Sonne steht noch recht flach, es ist frisch und die Atmosphäre ganz besonders. Auf einer kleinen Insel im See liegt der Tempel, den man von vielen Postkartenmotiven kennt. Dieser Tempel wurde zu Ehren der Göttin des Sees "Dewi Danu" errichtet. Der See entstand vor ca. 30.000 Jahren bei einem Vulkanausbruch. 

Wir fahren nur ein ganz kleines Stück weiter, zum Handara-Tor. Hier stehen schon die ersten und hoffen auf das perfekte Instagram Foto, wir sind jedoch noch früh dran, so dass wir uns auch schnell ins Tor stellen können. Das Tor ist wohl auch als "Pfad zur Klarheit" bekannt, ob sich bei uns die Erleuchtung einstellt, wissen wir aber nicht. Die Umgebung ist jedoch wundervoll, sehr grün, gepflegt und dennoch irgendwie wild. In die Berge wandern wir hier nicht, aber festes Schuhwerk brauchen wir gleich, wenn wir zu den Zwillings-Wasserfällen "Banyumala" fahren und dann wandern.

Der Weg führt ziemlich steil hinab, und die beginnende Mittagshitze merken wir. Das Wasser bietet jedoch eine willkommene Erfrischung - schnell in den Bikini und ab gehts. Ich hatte die Temperatur des Wassers dennoch etwas überschätzt - Quellwasser aus den Bergen ist auch hier richtig kalt. Die Jungs trauen sich dann auch noch in die Fluten. Was wir erst hinab gestiegen sind, müssen wir nun natürlich wieder hoch. Danach gönnen wir uns aber ein schönes Bufett zum Mittagessen mit Blick auf die Reisfelder.

 

Der nächste Tag wird actionreich. Rafting ist angesagt. Was zieht man da an? Am besten Badesachen. Das wäre logisch, wir vertrauen auf eine kurze Hose und ein Tshirt, packen aber vorsichtshalber mal Wechselsachen ein. Ein Handtuch bekommen wir vor Ort. Der Flusslauf führt mitten durch den Regenwald, eine atemberaubende Atmosphäre. Es gibt immer wieder Stromschnellen, so dass wir wirklich nass werden. Und haben wir Glück, sorgt unser Kapitän für den Rest... Andere Boote überholen wir und liefern uns damit einen kleinen Wettkampf. Negativ fällt uns eine chinesische Gruppe auf - diese kennen keine Distanz und keine Grenzen. Nass spritzen und Spaß haben gehört dazu, aber diese übertreiben maßlos. Gegenüber Fremden würde ich das niemals machen - da werden fremde Menschen extreeeem nass gespritzt, bekommen volle Wasserladungen mit den Helmen übergekippt und es wird kein Ende gefunden. Nicht alle finden das so witzig. Wir auch nicht, wir sind froh, als wir diese Gruppe außer Sichtweite haben. Am Ende der Bootstour werden wir nach einer Wasserrutsche noch einmal so richtig nass, damit sich das Handtuch auch wirklich lohnt.

Der Abend klingt entspannt aus, denn die Nacht wird kurz. Sehr kurz. Vor 2 Uhr nachts klingelt der Wecker, denn wir werden zur Sonnenaufgangswanderung abgeholt. WIr wollen zum Gipfel des Mount Batur, ein Vulkan auf der balinesischen Insel, um von dort aus den Sonnenaufgang zu sehen. Ich habe vermutet, dass viel los sein wird, am Fuß des Berges. Es ist Juli, es sind Sommerferien, es ist Bali. Dennoch hatte ich gehofft, dass nicht so viele so zeitig morgens auf diesen Berg wollen. Und ich habe damit gerechnet, dass "viel los" vermutlich so 50 Menschen bedeutet. Klar getäuscht! Es sind Massen !! Ein nicht enden wollender Strom aus Menschen schlängelt sich den schmalen PFad zum Gipfel hinauf. Wir werden auch ausgestattet mit einer kleinen Taschenlampe, Wasserflaschen, und los gehts. Der Guide bietet öfter eine Pause an, wir sagen immer wieder "weiter, weiter". Wir laufen uns warm, kommen in den Rhythmus, da stört die Pause mehr als sie hilft. Und: Es ist bitter kalt. Ich wusste das, habe also lange Hose und eine Jacke an, dennoch: Dass es SO Kalt wird, hätte ich nicht gedacht. Ich bin Brunei gewohnt, wo es auch nachts nicht kälter als 27 Grad wird... daher: Bewegung hält warm! Die Felsen sind recht zackig und enorm scharfkantig. Man muss aufpassen, wohin man greift. Und es ist staubig. Der Aschestaub ist nicht zu übersehen, auch wenn wir ihn in der Dunkelheit der Nacht nur erahnen können bzw. unmittelbar vor uns sehen.

Die letzte Etappe bis zum Gipfel ist noch einmal richtig steil und sehr sandig/ staubig, so dass man pro Schritt wieder einen halben Schritt nach unten rutscht. Das strengt an und lässt das Herzel schneller schlagen. Oben angekommen: Aussicht! Aber es ist noch immer stockschwarze Nacht. Wir müssen uns also noch etwas gedulden, was an sich ja kein Problem ist, wäre es nicht so bitter kalt und würde nicht so ein eisiger Wind wehen. Wir erfahren, dass es sonst auch frisch ist, aber der Wind nicht so stark. Gegen den Wind gibt es wenig bis gar keinen Schutz, aber wir bekommen einen heißen Kakao oder Kaffee. Das allererste zarte Licht am Horizont erscheint, noch kann man es nur erahnen. Wir sichern uns einen Platz, an dem ich mein kleines Fotostativ aufstellen kann. Der Horizont wird nun immer ein wenig heller, und das rote Licht der aufgehenden Sonne sieht fantatisch aus. Wir sind beeindruckt, wie schnell das geht. Irgendwann sehen wir die kleine Halbkugel der Sonne, ab da wird es dann wirklich schnell ganz hell. Mehr Fotos gibts in der Galerie. :)
Als es dann hell ist, machen wir uns auf den Rückweg, denn wir sind alle 4 komplett durchgefroren. Das Geröll ist recht tückisch, aber wir sehen im Hellen nun auch die schwarzen Lava-Ströme entlang des Berges. Mount Batur, als auch der Mount Ayun, sind immer noch aktiv.

Am Fuß angekommen, wird es warm - endlich.

Auf dem Programm stehen noch ein kurzer Stop an einem weiteren Wasserfall und an der Kaffeeplantage, aber wir haben keine Lust mehr. Wir sind müde, erschöpft, und gehen nach einem tollen Frühstück noch einmal schlafen. Den Rest des Tages verbringen wir am Pool. Wir sind ja hier im Urlaub. :)

Eine Entscheidung fürs Leben haben wir am letzten Tag trotzdem noch getroffen. :-) 

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Kommentare: 2
  • #1

    Jo (Montag, 14 Oktober 2019 16:37)

    Unglaublich tolle Fotos! :)

  • #2

    rose (Sonntag, 20 Oktober 2019 10:36)

    wow, ich bin immer total platt,das sieht alles so schön und erhaben aus. schreib bloß bald weiter