Gedanken zu Corona in der Welt - Teil II

Mittlerweile gibt es auch in Brunei wieder Lockerungen. Die Restaurants öffnen wieder, doch wird an jedem Eingang Fieber gemessen und man muss sich über eine Tracking-App einloggen. Dazu wird ein Barcode über das Handy gescannt. Diese App ist verpflichtend für alle, sonst kommt man eben nicht herein. Die Daten werden gespeichert und können zurückverfolgt werden – es gibt das sogenannte Kontakt-Tracing: Stellt man also fest, jemand war zur gleichen Zeit wie ein Infizierter am selben Ort, wird man zum Test geladen. Die geringe Anzahl an Erkrankten hält sich jedoch weiterhin stabil auf niedrigem Niveau. Die Grenzen sind weiterhin dicht, doch die ersten wenigen Flüge gibt es wieder – man muss jedoch einen Ausreiseantrag stellen.
Ich beschäftige mich mit Weiterbildung (Lösungsorientiertes Krisencoaching), Coaching und einem Transformationsprogramm, lerne mehr und mehr die Werte hier kennen und verstehen. Kennen ist das eine – verstehen, wie diese sich im Alltag und im Arbeitsleben zeigen und auswirken, noch einmal was ganz anderes. Das macht so manche Projekte auch bisschen schwierig.

Im Zuge dessen beschäftige ich mich auch mit Kommunikation, individueller Wahrnehmung und insbesondere kulturellen Unterschieden. Auch mit der Frage, warum in Deutschland der Kampf ums Klopapier ausgebrochen war, in anderen Ländern aber nicht? Und warum das eigentlich so ist? Wir gehen ja nicht mehr/ öfter aufs stille Örtchen? Dann hörte ich einen Podcast über sich selbst erfüllende Prophezeiung und wie wir mit unserem Denken unsere eigene Realität erschaffen, und plötzlich macht das alles total Sinn. (und ist natürlich trotzdem Unfug). Idee dahinter: Wir stellen uns etwas vor, was eintreten könnte. Die Informationen zu Corona schürten ja doch eine gewisse (zum Teil berechtigte) Angst/ Sorge. Nun gibt es auch Menschen, die sich eher sorgen als andere. Nehmen wir ein Beispiel, Person A ist in Sorge, dass plötzlich die Waren knapp werden und die Supermarktregale leergekauft. Person A hat das vielleicht sogar schon mal erlebt, oder von den Großeltern gelernt, denn es gab Zeiten, da war dies tatsächlich so.

Gedanke: Ich muss mich eindecken, bevor dies passiert, denn alle sprechen von großer Krise. Person A verhält sich entsprechend und kauft ein, wesentlich mehr als sonst. Nun gibt es nicht nur Person A, die das so macht, sondern auch Person B und C und D.  Und da, wo es zuvor gar keinen Engpass gegeben hätte, hätten alle „normal“ eingekauft, wie sonst auch, sind plötzlich die Regale leer. Und das, wovor alle „Angst“ haben, wird plötzlich zur Realität. Und auch jemand, der initial gar nicht diesen Gedanken hatte, sieht dann die leereren Regale, und denkt „Oh, sicherheitshalber, kauf ich doch lieber auch mal ein Päckchen mehr.“ Schon hat man dann die Wirklichkeit der leeren Regale selbst erzeugt, und es macht sich eine neue Sorge breit, die eigentlich alle verhindern wollten. Das kann man total gut verstehen, denn Unsicherheit ist ja erst einmal etwas, was man zu vermeiden versucht. Unsicherheit bedeutet irgendwo auch Gefahr, und in Gefahrensituationen schützen wir natürlich zuerst einmal uns selbst/ unsere Familien. Unsicherheiten aushalten ist ein ganz großes Thema – das merke ich auch hier in Brunei mit unserer Veränderung – neue Firma, neue Führung, neue Kollegen, oftmals sind Prozesse und Rollen noch nichtganz klar, weil ja alles noch im Aufbau ist, das ist schon ein schwieriges Thema, was auch zu Frustration führt.

Und was bedeutet das für den Einzelnen? Nun, wir können hinschauen, welche Geschichten wir uns immer wieder erzählen. Wie Talmud schon sagte:

 

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.

Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.

Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.

Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“

 

Schaut man sich nun die Berichterstattung im allgemeinen an, die oftmals eben nicht neutral, sondern eher reißerisch ist und vor allem mit den Emotionen der Menschen spielt („Katastrophen-Journalismus“), denn reißerische Stories verkaufen sich ja besser, ist das schon problematisch. Wer den ganzen Tag nur Katastrophen, Dramen und schlechte Nachrichten konsumiert und verbreitet, ja, dann sucht unser Kopf ja nach allem, was dies bestätigt. Natürlich finden wir immer wieder Argumente dafür, die unsere Gedanken bestätigen. Denn wir wollen natürlich immer Recht haben. Daher suchen wir nach Bestätigung. Beispiel 2: Ein Raucher weiß eigentlich, dass Rauchen sehr schlecht für seine Lunge ist. Das ist kein Geheimnis. Dennoch raucht er, und das viel. So passen Gedanken und Taten nicht zusammen (Kognitive Dissonanz). Doch der Raucher sagt sich „ach, Onkel Fritz hat doch auch so viel geraucht und ist 120 Jahre alt geworden“, und löst damit seine kognitive Dissonanz auf. Er sucht nach dem, was bestätigt, dass es vielleicht doch nicht wahr ist.

Es gibt mittlerweile Seiten, auf denen nur positive Nachrichten verbreitet werden. https://www.positive.news/ als ein Beispiel: Erstens gehen solche News meist unter, und zweitens hilft es mir, positiver in die Welt zu blicken. Das bedeutet natürlich nicht, die anderen Nachrichten komplett auszublenden. Was auch hilft: Einfach mal abschalten. Zu sortieren, wann, wie lange und worüber ich Nachrichten konsumiere. Dazwischen: Auf eigene Kraft und Stärke vertrauen. Mich gesund und fit halten.

 

Apropos fit halten: Ich spaziere viel öfter und habe auch wieder öfter die Kamera dabei. Oben seht ihr ein paar Bilder, die dabei entstehen.


Wer möchte eigentlich für nächstes Jahr einen Kalender? Wäre das ein Projekt, was ich mal starten sollte? Was sind dabei eure Lieblingsmotive?

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Kommentare: 2
  • #1

    n seht! (Montag, 01 Juni 2020 10:49)

    hohoho, ja !!! kalender zu mir, ja... ich mag deine sichtweisen sehr! viele grüße und einen drücker aus dem sonnigen pfingstdeesem, roae

  • #2

    Franzi (Dienstag, 16 Juni 2020 20:27)

    Liebe Sophie,
    Kalender gern- ich mag die reinen Naturmotive. Detailaufnahmen in groß: Blatt etc. besonders.
    Zum Thema Klopapier habe ich mal gelesen, dass das Soziologen :-) so erklären: das stille Örtchen sei etwas sehr privates geworden (im alten Rom hockten die Leute ja direkt nebeneinander und diskutierten div. Themen). Es habe etwas mit Reinheit zu tun. Man fühle sich geborgener und sicherer, wenn man den Toilettengang im Griff habe- es gehöre dazu "sauber" zu sein und wenn kein Klopapier da sei, sei damit die Würde der Menschen in Gefahr und dies werde als sehr unangenehm empfunden...