Angkor Wat - Teil I

Der letzte Tag in Vietnam klingt mit einem vietnamesischen Kaffee aus.  Die Verabschiedung vom Hotel ist sehr herzlich, sehr freundlich. Es ist eine echte Herzlichkeit, keine aufgesetzte, angelernte Freundlichkeit, sondern das Lächeln ist mit dem Herzen. Eine nächste Etappe geht zu Ende, und eine neue startet. Der Flug nach Kambodscha – Siem Reap erfolgt in einer kleinen Propellermaschine. Jo kann im Gang nicht gerade stehen, so klein ist sie und er wird immer wieder darauf hingewiesen, vorsichtig mit seinem Kopf zu sein. 

Angekommen, müssen wir lange warten, unser Fahrer hatte wohl ein Problem. Wir sind geschafft und hungrig, es regnet in Strömen, und ich sehe uns schon bei Regen und Matsch durch Angkor stiefeln, denn es heißt, es ist Regenzeit, und ganz unweit von Siem Reap wurden Überschwemmungen gemeldet. Aber gut, wir denken, ändern können wir es dann sowieso nicht. Mit dem Tuk Tuk geht es bis zum Hotel. Dort rast mir als erstes ein riesiger (riesig!) Käfer über die Bettdecke, doch fangen lässt er sich vom Hotelpersonal nicht. Na prima. Die Küche hat schon geschlossen, es ist 23 Uhr, wir fragen nach Brotresten vom Frühstück, würde uns reichen. Ja, das ginge wohl – und wir bekommen Brote (warm gemacht) gefühlt für 10 Mann, Butter, Salz und Marmelade. Danke! Das reicht aus für heute, und wir fallen einfach ins Bett, in der Hoffnung, dass der nächste Tag besser wird. Und so soll es auch sein.

Montag, 23.09.2019: Am ersten Tag in Siem Reap heißt es – ihr denkt es euch schon – Lage peilen. Ihr kennt das schon, Überblick verschaffen, Geld besorgen, Gegend erkunden, und einen kleinen Plan für die nächsten 3 Tage machen. Nach einem ausgiebigen und leckeren Frühstück im Hotel geht es zu Fuß los Richtung Stadtzentrum Siem Reaps. Unser Ziel heute ist erst das Nationalmuseum, denn wir haben gelesen, ein Besuch des Museums vorher lohnt sich schon, bevor man die Tempelanlagen besucht, denn so kann man einiges besser einordnen und sieht es nochmal mit anderem Auge. Siem Reap bis dahin macht auf uns einen guten Eindruck, die Häuser sehen toll aus, Stil französische Kolonialzeit – man sieht es deutlich, damit wirkt es schon total anders auf uns als beispielsweise Vietnam. Teilweise kommt es uns fast unwirklich vor, dass wir in Kambodscha sind, diese Art der Bauten findet man auch in Europa. 

Im Nationalmuseum erfahren wir viel zur Geschichte Angkors, die Herrscher, die Weltanschauung, Religion und manch spannende Hintergrundinfos. Auch hier gibt es natürlich viele, viele Buddha Statuen aus Stein, und toll finde ich die Tempelanlagen von oben zu sehen. Erstaunlich, wie symmetrisch diese gebaut wurden. Ich versuche mich ins 10. Jahrhundert und die Möglichkeiten, die man damals hatte, zurückzuversetzen, und kann es mir nur schwer vorstellen. Die Tempel waren den Göttern vorbehalten, man hat in den Tempel nie gewohnt. Stein war den Göttern vorbehalten, die Menschen, auch die Herrscher, wohnten in Holzbauten. Auch versorgte man Kranke in den Anlagen. Die Gelehrten wussten genau, welche Pflanzen oder Kräuter gegen welches Gebrechen halfen. Wir bekamen eine tolle Idee davon, dass nicht nur der Haupttempel Angkor Wat, sondern auch die anderen mehr als einen Besuch wert sind und absolut empfehlenswert.

Wir genießen noch einen Cappuccino im Museumscafe (unseren geliebten vietnamesischen Kaffee vermissen wir heute dennoch J ) bevor es weiter geht Richtung Ticketschalter. Wir haben gelesen, es ist empfehlenswert, sich am Vorabend, gegen 17 Uhr, die Tickets für den Nationalpark Angkor zu besorgen, um größere Menschenschlangen am Morgen zu umgehen. Wir rechneten damit, dass wir auch jetzt anstehen werden, haben aber ja Zeit. Auf dem Weg dahin entdecken wir weitere kleine Schätze, einen kleinen Tempel, in dem gebetet und gesungen wird, so laut, dass man es weithin hört. 

In einem Handwerkershop erstehen wir eine getöpferte Elefantentasse und ein T-Shirt. Am Ticketschalter ist überraschenderweise überhaupt nichts los. Ein Pärchen vor uns beendet gerade den Ticketkauf, also sind wir sofort an der Reihe. Die Tickets sind personalisiert, mit Foto (welches am Schalter gemacht wird). Wir kaufen ein 3-Tages-Ticket, denn sind sicher, es gibt soo viel zu sehen, wir möchten uns entsprechend Zeit lassen. Das Gelände ist so riesig und die Tempelanlagen so vielfältig, das ist an 1 Tag gar nicht zu schaffen. Die 3 Tage müssen nicht aufeinanderfolgend sein, man hat insgesamt 1 Woche Zeit. Die Tage werden beim Eintritt in Angkor abgeknipst. Die Tickets muss man tatsächlich immer dabei und möglichst griffbereit haben, da in Angkor selbst sehr oft kontrolliert wird. 

Nun, wir brauchen für den nächsten Tag nur noch ein Fortbewegungsmittel, denn eins glauben wir auch – das Gelände ist extrem weitläufig und fußläufig nicht machbar. Wir überlegen zwischen einem TukTuk (man kann auch einen TukTuk Fahrer für einen ganzen Tag mieten, der einen dann herumfährt), oder dem Ausleihen eines Fahrrads. Wir entscheiden uns für Variante 2, damit sind wir noch flexibler, und kostengünstiger unterwegs. Ein Verleih ist schnell ausfindig gemacht, die Bewertungen im Netz sind prima, also steht nun nichts mehr im Weg.

Eine Freude des Tages haben wir noch: Wir hatten zuvor von den Warnungen gehört, dass es in Kambodscha Starkregen gibt, Touristen aus Tempeln befreit werden mussten, es ist Regenzeit, und ja, wir hatten Sorge, dass wir nun bei Regen Angkor besichtigen. Der erste Tag war trocken und sonnig, so darf es bleiben. Und das Wetter war auf unserer Seite.

Der Tag klingt mit einem Abendessen nach khmer Art aus – es gibt das berühmte „Fish Amok“, speziell zubereitet, enorm lecker. Die Bedienung und das Restaurant sind absolut spitze, wir fühlen uns pudelwohl, der Service ist sehr aufmerksam, und wir werden gut beraten. Als Dessert probieren wir ein Eis mit Kampot Pepper – Eis mit Pfeffer können wir uns erst so gar nicht richtig vorstellen, aber es schmeckt ganz hervorragend. 
Den nächsten Tag starten wir ganz früh - davon lest ihr dann direkt im nächsten Artikel :) 

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Kommentare: 1
  • #1

    rose (Montag, 08 Juni 2020 15:48)

    endlich!!!! ich habe mich so drauf gefreut und möchte bald noch einige bilder mit euch anschauen, danke für die mühe!