Teil II - Angkor auf 2 Rädern entdecken

Heute schreibt mal der Jo – viel Spaß :-)

Man kennt die Silhouette dieses weltberühmten Bauwerks. Man kennt den Namen dieses sakralen Bauwerks. Und dennoch begreift man dieses historische Bauwerk erst, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat: Angkor Wat.

Am 24. September, einem Dienstag, starten wir gegen 9:00 Uhr und leihen uns in der Stadt Mountainbikes aus. Schnell haben wir die Grenzen von Siem Reap hinter uns gelassen und fahren auf einer gut ausgebauten Straße durch den Dschungel nach Norden, bis wir den südlichen, rechteckigen Wassergraben erreichen, der die Tempelanlage umgibt. Sämtliche historischen Bauwerke sind hier nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Wir folgen der Hauptverkehrsader, die uns zum Haupteingang an der Westseite führt. Und so sehen wir bei strahlendem Sonnenschein zum ersten mal die Mauern von Angkor Wat. UNESCO-Weltkulturerbe.

Über den etwa 170 Meter breiten Wassergraben führt eine steinerne Brücke, die aber zur Zeit wohl wegen Restaurierungsarbeiten gesperrt ist. Deshalb gehen wir über die etwas weiter südlich gelegene Pontonbrücke über das Wasser. In den letzten Tagen hatten wir bereits einige historische Stätten besichtigt (Po Nagar und Mỹ Sơn) und waren sehr beeindruckt, aber Angkor Wat ist noch einmal eine ganz andere Liga. Die Dimensionen sind für ein antikes Bauwerk schier gigantisch. Allein die Außenmauern sind etwa 800 Meter lang – pro Seite versteht sich.

Insofern ist auch der Tempelname verständlich: In der Sprache der Khmer bedeutet „Ângkôr“ Stadt und „Vôtt“ steht für Tempelanlage. 

Durch das westliche Haupttor (Gopuram) geht es schnurgerade in östlicher Richtung auf den Tempel mit seinen charakteristischen Türmen zu. Dieser steinerne Weg war früher ausschließlich den Königen vorbehalten.  

An diesem Tag ist die Sonnenstrahlung gefühlt besonders stark, und so sind wir froh, als wir nach etwa 250 Metern die äußeren (und vor allen Dingen überdachten) Gänge des Tempelkomplexes erreichen und uns in den Schatten flüchten können. 

Jede der vier äußeren Mauern zieren insgesamt 600 Meter lange, steinerne Flachreliefs, die sowohl historische, als auch religiöse Motive der historischen Khmer zeigen. 

Wir gehen durch diese Außengänge einmal rund um das Bauwerk herum, bevor wir über mehrere Ebenen schließlich einen Innenhof betreten, der unmittelbar an die vier Türme angrenzt. Wir staunen, laufen eine halbe Runde und stehen dann vor einer sehr steilen, hölzernen Treppe, die nach oben führt. 

Ein Hinweisschild weist uns darauf hin, dass hier Wartezeiten von bis zu 20 Minuten üblich sind. Ebenfalls werden Verhaltensregeln aufgezählt, die aus religiösem Respekt selbstverständlich sein sollten, denn bei aller touristischen Begeisterung sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass es sich bei Angkor Wat um ein buddhistisches Heiligtum handelt.

Jetzt in der Nebensaison haben wir jedoch Glück, keine Warteschlage, und so können wir uns direkt auf den Weg nach oben machen. Ebene drei. Das Heiligtum von Angkor Wat. Nach einem kurzen, aber anstrengenden Aufstieg erwartet uns eine grandiose Aussicht mit einem Überblick über die gesamte Tempelanlage. Im Umgang mit Superlativen ist Vorsicht geboten, sie nutzen sich leicht ab – aber hier darf man mal einen riskieren: der absolute Wahnsinn!

Als Rheinländer muss ich an den Bau des Kölner Doms denken. Dessen Grundsteinlegung war 1248. Am Ende des Mittelalters, zwei Jahrhunderte später, war die Kathedrale gerade erst zur Hälfte fertig. Dann folgte noch ein Baustopp. Die Baustelle verfiel zur Bauruine. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Dom fertig gebaut.

Jetzt gucke ich auf Angkor Wat und versuche zu verinnerlichen, dass dieses um ein vielfach größeres Bauwerk innerhalb weniger Jahre geplant, gebaut und fertig gestellt wurde. Und dabei fand die Grundsteinlegung unter König Suryawarman II. mindestens 100 Jahre früher als die Grundsteinlegung des Kölner Doms statt. Bis zu 15 000 Arbeiter sollen hier zeitgleich gearbeitet haben. Bautechnisch und logistisch eine Meisterleistung.

Wir gehen den Rundgang einmal komplett rum, bewundern Buddhastatuen, die zahlreichen Steinreliefs, welche oftmals Tänzerinnen zeigen (Apsaras), und nicht zuletzt die atemberaubende Aussicht. 

 

Wieder unten auf der zweiten Ebene entdecken wir zwei buddhistische Mönche, die die Besucher mit einem Gebet und heiligem Wasser segnen. Spontan entschließen wir uns, an dieser Zeremonie teilzunehmen. Mit reichlich Lotuswasser besprenkelt und einem nachhaltig beeindruckenden Lächeln des Mönches erhalten wir leuchtend orangefarbene Armbändchen – das Zeichen des buddhistischen Segens.

Dann verlassen wir Angkor Wat und fahren mit unseren Fahrrädern weiter durch den Dschungel nach Norden. Wie aus dem Nichts erscheint plötzlich ein gewaltiges Steintor, über dem ein riesiges, steinernes Gesicht thront – das südliche Tor zu Angkor Thom („große Stadt“). Unmittelbar danach, als wäre nichts gewesen, wieder monotoner Dschungel. Vielleicht ist es auch genau das, was die Faszination von Angkor noch verstärkt: das abrupte Auftauchen der riesigen Bauten im Nebel des undurchdringlich erscheinenden Dschungelgrüns.

 

Nach ca. 2 Kilometern erreichen wir den Bayon-Tempel. Bekannt ist dieses zweite UNESCO-Weltkulturerbe durch seine zahlreichen Türme, die wie auch das Steintor, mit meterhohen, lächelnden Gesichtern verziert sind. Pro Turm jeweils vier Gesichter, eines in jede Himmelsrichtung. Die Zahl der Gesichter wird von Archäologen auf etwa 200 geschätzt. Der Tempel ist auch auf die 4 Himmelsrichtungen hin ausgerichtet. Es wird gesagt, dass jeder zum Tempel kommen durfte, egal welcher Religion angehörig, er fand seinen Platz und war willkommen. Schon im 10./11. Jahrhundert war dies ein Bemühen, die Religionen zu vereinen.

Schon etwas erschöpft von all den Eindrücken umrunden wir abschließend auch dieses Bauwerk und sind auch hier überwältigt von der Größe. 

 

Danach gönnen wir uns einen Kaffee und ein Wasser an einem der zahlreichen Verkaufsstände. Während wir uns erfrischen, will es der Zufall, dass genau in diesem Moment eine Gruppe von Elefantenhütern nebst ihren dickhäutigen Schützlingen vorbeikommen. Diese grauen Riesen auf so kurze Distanz zu erleben, lässt einen erkennen, wie klein man selbst doch ist.

Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten, als wir uns wieder auf die Drahtesel schwingen. Diesmal wir fahren los ohne konkretes Ziel – einfach der Nase nach und landen dann doch wieder, wer hätte es geahnt, beim nächsten Tempel: Preah Khan („heiliges Schwert“).

Hier merkt man, welche Anziehungskraft Angkor Wat hat. Während wir dort hunderte Touristen gesehen haben, so sind es bei diesem Tempel höchstens eine Handvoll.

 

Wir laufen ca. 20 Minuten (!) durch einen geradlinig verlaufenden Gang. Auch bei dieser jahrhundertealten Tempelruine ist die Größe schier unglaublich. 

Gesättigt von den Eindrücken des Tages, verschwitzt und auch zunehmend hungrig, machen wir uns gegen 17:30 Uhr auf den Heimweg. Unterwegs setzt leichter Regen ein, der zusammen mit der untergehenden Sonne für phantastische Fotomotive sorgt. 

Kurz nach 18:00 Uhr erreichen wir im Dunkeln den Fahrradverleih in Siem Reap, von dem wir aus am Morgen gestartet waren.

 

Und ! -  hier ist wieder Sophie: 

Ein Abstecher ins Hard Rock Cafe auf dem Rückweg zum Hotel musste sein, denn das liegt quasi direkt auf dem Weg, immer auf der Suche nach einem besonderen Pin. Leider waren die Pins im HRC Siem Reap nicht besonders schön, nur die normalen, irgendwie kein Eye-Catcher dabei und viel Auswahl war auch nicht. Mh. Die nette Verkäuferin sprach mich an, ob ich etwas bestimmtes suche, ich erklärte ihr, dass ich die Pins aus aller Welt sammle, aber immer einen Pin suche, der etwas spezielles von der Stadt oder der Location zeigt. So etwas typisches eben. Sie zeigte mir daraufhin einen ihrer Pins am Schlüsselband – ein spezieller Pin für die Mitarbeiter des Hard Rock Cafes – wenn der mir gefällt, könnte ich ihn ihr abkaufen, sie hat 2 davon. Ich traue ich fast gar nicht, dieses Angebot anzunehmen. WOW ! Ich frage 3x nach, ob das für sie wirklich in Ordnung wäre, und bekomme das Gefühl, dass sie sich sogar richtig darüber freuen würde. Gesagt, getan, und ich bin soooo glücklich über meinen ganz besonderen Pin aus Siem Reap.

Mittwoch geht’s weiter, wieder auf Rädern, aber diesmal mit einem Guide. Wir haben Angkor ja bisher auf eigene Faust erkundet, und sind gespannt, ob der Guide uns noch ein bisschen mehr erzählen kann, zudem sind wir auf die Tour mit den Mountainbikes gespannt. Das Angebot versprach Dschungelpfade fernab der üblichen Wege. Mit uns starten 4 weitere Teilnehmer, 2 Portugiesinnen und 2 weitere Deutsche, als 6er Gruppe echt perfekt. Der Guide spricht gutes englisch und kann gut erzählen, erklärt nicht zu ausschweifend, hat aber ein paar spannende Details auf Lager. Manche Tempel besuchen wir heute zum 2 Mal, was aber nichts macht, ich mache glaube ich genau so viele Fotos wie am ersten Tag – nur andere. Wir besuchen die Tempel zu einer anderen Tageszeit, so dass die Sonne anders steht und das Licht anders ist und ja, sowieso, da kann man schon nochmal alles fotografieren und in sich aufsaugen. 

Das Fahrradfahren ist eine schöne Ablenkung und wir kommen mit den anderen der Gruppe schön ins Gespräch, haben viel Spaß und lachen viel. Einmal geht es durch eine riesige tiefe Pfütze und Schlamm – man muss da einfach versuchen irgendwie durchzukommen. Nun, 4 von 6 landen mit den Füßen (bis über den Knöchel) dann doch im Wasser und Schlamm – meine Schuhe bleiben trocken. Der Guide macht auch Fotos von uns und kennt doch paar gute Spots und Ideen für tolle Panoramabilder. Freut uns sehr. Am Ende des langen Tages überrascht uns der Guide mit einer frischen Kokosnuss für jeden und kalten Handtüchern, das tut wahnsinnig gut! Sandra und Fabian – die anderen beiden Deutschen – wollen sich am nächsten Tag auch noch einmal Räder ausleihen, und wir erzählen von unserem Vorhaben, uns Angkor bei Sonnenaufgang anzuschauen. 

Wir treffen die beiden am nächsten Morgen natürlich wieder – nicht nur einmal, sondern so 3, 4, 5- mal. Ich sage „Wenn wir sie nochmal sehen, fragen wir sie ob sie Lust auf einen Kaffee haben“. Dauerte nicht lange…. Ab da sind wir zusammen weiter, sie hatten auch schon so eine Idee, und unsere geplante Route war dieselbe. J Die beiden haben übrigens auch einen Blog, der sich super gut liest, schaut doch mal hier herein: https://dieweltundwir.com/

Dank Fabis App düsen wir mit den Rädern auch nochmal quer durch den Dschungel, überqueren eine Holzhängebrücke mit den Rädern und flüchten vorm Gewitter. Wir essen in einer kleinen Bude, das Essen schmeckt super und es ist das perfekte Timing, bevor wir weiter fahren. Der Himmel wird schwarz, wir stellen uns kurz unter und entscheiden dann, weiterzufahren und haben großes Glück. 

 Das Licht nach diesem Gewitter ist absolut gigantisch. Das kann man auf einem Foto gar nicht mehr festhalten. Wir passieren Angkor Wat, den Haupttempel, ein letztes Mal. Dieser verabschiedet uns mit einem leuchtenden Regenbogen nach Hause. Wenn das mal kein Zeichen ist.

Dieser Abend klingt für uns beide in einem französischen Restaurant aus, bei „Georges“. Ein sehr guter Ausklang. Das Georges ist wohl berühmt für seine zahlreichen Sorten an Rum – natürlich probieren wir, keine Frage!

Am letzten Tag geht es morgens zurück nach Ho Chi Minh, wo wir einen letzten vietnamesischen Kaffee genießen, noch einen Geocache finden und von dort aus zurück in „heimatliche“ Gefilde starten – Jo nach Frankfurt, ich zurück nach Brunei. 

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Kommentare: 3
  • #1

    rose (Sonntag, 14 Juni 2020 23:41)

    also noch heute geschafft... mit vielen bildern im kopf gehe ich zufrieden schlafen...danke für diesen reiseteil <3

  • #2

    Jo (Sonntag, 14 Juni 2020 23:48)

    Tolle Bilder! :)

  • #3

    Franzi (Dienstag, 16 Juni 2020 20:31)

    So schön zu lesen- so malerisch beschrieben- fühle mich als wäre ich selbst dabei gewesen :-)