Ramadan Einblicke aus Brunei

So, wie versprochen, geht’s heute weiter, ich gebe euch mal einen kleinen Einblick in Ramadan. Der Fastenmonat ist immer abhängig vom Mond, auch der Tag, wann die Fastenzeit beginnt, wird in Brunei noch manuell bestimmt. Vier Imame schauen in den Himmel ob sie den Mond sehen können. Ist dieser nicht sichtbar, wird einen Tag länger gewartet, und am nächsten nochmal geschaut. Obwohl es den Mondkalender gibt, und die Astrologie hier ja doch mittlerweile sehr genau ist, wird das in Brunei immer noch genau so herkömmlich praktiziert. Ist es am Abend selbst bewölkt, so dass der Himmel verdeckt ist und deshalb kein Mond gesehen werden kann – selbes Ergebnis. Der Start wird um einen weiteren Tag verschoben. Das ist für mich in Brunei auch neu – es gibt hier zahlreiche Feiertage, die mit Ramadan zusammenhängen bzw. mit dem Mond. Man kann sich das vorstellen wie bei uns Karneval, Ostern, Pfingsten, … nur mit dem Unterschied, dass es bei uns kalendarisch festgelegt ist, wann welcher Feiertag ist. Hier ist das flexibel. 

Manchmal weiß man dann eben erst 1 Tag vorher, ob am nächsten Tag Feiertag ist oder normal gearbeitet wird. Das macht eine Projektplanung etwas schwieriger. Super finde ich allerdings, dass jeder Feiertag nachgeholt wird. Fällt beispielsweise ein Feiertag auf das Wochenende, ist der darauffolgende Montag ein Feiertag.

Nun, Ramadan ging dieses Jahr tatsächlich später los als gedacht, da es sehr bewölkt war. Die Fastenzeit in Brunei gilt für jedermann, egal ob muslimisch oder nicht, Einwohner oder Tourist. In der Öffentlichkeit wird weder gegessen noch getrunken. Das Büro ist quasi auch „öffentlicher Ort“, und schon aus Rücksicht auf die Kolleginnen steht dann eben auch keine Wasserflasche auf dem Tisch. Wir haben uns alle bemüht, da Rücksicht zu nehmen. Letztes Jahr war das noch leichter – wir waren im internationalen Projektteam quasi noch unter uns. Dieses Jahr sind wir mittendrin und bauen die Teams auf, sitzen in Open Office Räumen. Die Kolleginnen haben sich sehr darüber gefreut, dennoch immer wieder betont, dass es für mich doch total in Ordnung wäre zu trinken und zu essen. Ich habe es dennoch unterlassen.

Während Ramadan wird kürzer gearbeitet (ab mittags ist konzentriertes Arbeiten wirklich nicht mehr möglich, wenn man nichts isst und vor allem nichts trinkt.). Ich war offen, nach 15 Uhr gabs für mich dann einen Snack. Ich habe auch gesagt – ich finde es absolut bewundernswert, wie die das durchhalten, merkte aber auch, dass ohne Wasser das für mich absolut nicht funktioniert. Stolz war das Team, dass ich es versucht habe und für die Zeit nichts gegessen habe, einen Schluck Wasser war ich ab und an in der Küche trinken. Die Cafes und Restaurants haben tagsüber meistens dennoch geöffnet und bieten die Gerichte als „Take-Away“, zum Mitnehmen, an. Das ist okay. Man verhungert hier also trotzdem nicht. Es ist auch okay, zu Hause im Privaten zu essen. Nun, Fasten bei solchen klimatischen Bedingungen und vor allem, wenn man dann noch konzentriert arbeiten muss, ist nichts für mich, aber ein halber Tag ging gut. 

Aber ich habe während Ramadan die Ruhe nachmittags im Büro genossen – keine Termine, da alle zwischen 14 und 14.30 Uhr nach Hause gehen, so dass man in Ruhe Sachen abarbeiten konnte, Konzepte entwickeln, vorbereiten…. Die Brunesen beginnen mit dem Fasten schon im Kindesalter – oft schon Vorschulkinder wollen es versuchen, aber spätestens Grundschüler fasten dann bis mittags, oder verzichten auf Essen, trinken aber. Einfach, weil sie den Erwachsenen nacheifern wollen und das Fasten hier tatsächlich heilig ist. Hintergrund ist, selbst zu verzichten, um es den Armen/ Bedürftigen zu geben. Es wird zu dieser Zeit viel gebetet. Dieses Jahr allerdings nur im Privaten, da coronabedingt selbst die Moscheen geschlossen waren. Ein weitere Fastengrund ist: Es soll der Körper entgiftet und gereinigt werden. (Wir kennen es bei uns auch als Heilfasten). Und die Mädels hoffen natürlich immer, damit 2-3 kg abzunehmen. Ich habe es offen hinterfragt, denn ihr müsstet mal 17 Uhr die Autoschlange vorm McDonalds sehen … unglaublich! Normalerweise gibt es dann die sog. Night Markets – Nachtmärkte, auf denen es vielerlei gutes aber auch deftiges und süßes Essen gibt, dort wird sich dann getroffen und geschlemmt. Jede Nacht. Dieses Jahr sind diese wegen Corona alle ausgefallen.

Die Menschen suchen dann nach schnellen Alternativen. Konnte ich mir natürlich nicht verkneifen, zu sagen, dass das aber dann ganz sicher kein Heilfasten ist, wenn man dann nachts solches Junkfood isst. Aber süß und fettig ist hier eh beliebt – und Brunei hat tatsächlich mit Übergewicht zu kämpfen. Brunei hat deswegen die zuckerhaltigen Getränke schon besteuert – merken tut man davon allerdings nicht. Getränke sind hier extrem süß. Kaffee bekommt grundsätzlich süß – man muss dazu sagen „No Gula“, Kein Zucker, sonst hat man ein Zuckergetränk mit Kaffeegeschmack. Nun, zurück zum Fasten: Zu Beginn der Fastenzeit, so habe ich mir sagen lassen, ist der Hunger und Durst das Schlimmste. Vor allem die ersten 3 Tage sind richtig hart, da der Körper ja gewohnt ist, tagsüber Energie zugeführt zu bekommen. Ist die Umstellung geschafft, geht es dann meistens. 

In der zweiten Hälfte der Fastenzeit ist Müdigkeit das größere Problem: Die Menschen essen ja abends nach Sonnenuntergang (hier ab ca. 18.30 / 19.00 Uhr), und oftmals, wie oben erwähnt, auch ausgiebig, schlafen dann, und stehen 3 Uhr zum Frühstück wieder auf. Manchmal sogar bisschen eher um Frühstück vorzubereiten. Danach wird gebetet und ins Büro gefahren. Absolut verständlich, dass man dann ab mittags nur durchhängt. Manche nutzen den späten Nachmittag für ein Nickerchen, sofern möglich. Doch die meisten haben Kinder, die es zu betreuen gilt, da bleibt der Schlaf auch auf der Strecke. Sehnsüchtig wird dann das Ende der Fastenzeit erwartet – auch hier hofft man auf die Imame, die entweder was sehen, oder eben nicht. Dann stehen die Hari Raya Feste an – eingeläutet mit dem Eid-al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens. Das ist im Islam das wichtigste Fest (so wie bei uns Weihnachten), die Familien kommen zusammen, man hat 3 Feiertage am Stück, es gibt jede Menge Essen und Trinken und die Familien beschenken sich auch (manche nur die Kinder, manche auch unter den Erwachsenen). Doch auch in den Folgewochen gibt es immer wieder Hari Raya Feste, begleitet von „Open Houses“, in denen man Freunde und Kollegen einlädt. Eine Einladung zu bekommen, ist eine Ehre, und es ist höchst unhöflich, nicht hinzugehen. 
Ein weiteres ganz großes Highlight hier in Brunei ist, dass dann auch der Palast des Sultans an 2 oder 3 Tagen für Besucher geöffnet ist. Man darf sozusagen mal die Hand schütteln - die Frauen natürlich nur der Frau des Sultans. Letztes Jahr waren wir nicht sicher, an welchen Tagen das genau ist, und hatten da ja noch nicht so den engen Kontakt zu den Locals hier. Dieses Jahr blieben die Tore geschlossen - wegen "ihr wisst schon wem". Ich habe mir aber sagen lassen, dass auch Nicht-Muslime dann hereingelassen werden und jeder willkommen ist. Verbuden ist das jedoch mit Anstehen ab ca. 5 Uhr morgens, möchte man seine Chance nutzen. Hätte ich dieses Jahr sogar mal gemacht, wann sonst hat man die Gelegenheit dazu. 

In diesem Jahr sind die Hari Raya Feste ausgefallen – gut, im engeren Familienkreis wird natürlich gefeiert und vor allem gegessen aber die berühmten „Open Houses“ gibt es in diesem Jahr aufgrund Corona nicht. Auch Familien durften nur im engsten Kreis (Maximal 10 Personen) zusammenkommen. Letztes Jahr waren wir schon zu Open Houses eingeladen und ja, hat man während der Fastenzeit vielleicht doch 2-3 Kilo verloren, hat man nach Ende der Festlichkeiten 5 kg wieder drauf, locker. :-) Jetzt zum Ende Juli gibt es einen weiteren Feiertag, der noch mit Ramadan zusammenhängt, genauso flexibel. Wir wissen aber diesmal eine Woche vorher, ob der Feiertag auf den Freitag oder Montag fällt – dieses Jahr auf einen Samstag also ist am Montag frei. J

Was gibt es sonst zu erzählen? Vielleicht zum Abschluss noch einen kleinen „Fun Fact“: Dass wir keinen Alkohol trinken dürfen und es diesen auch nirgendwo in Brunei zu kaufen gibt, ist klar. Was ich jedoch darüber hinaus total witzig finde, ist, dass auch die lokalen Banken ihre gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und es nicht erlauben, dass man mit der Kreditkarte Alkohol bezahlt. Das sollte man wissen, denn sonst wird die Karte beim Bezahlvorgang womöglich eingezogen bzw. gesperrt. Also immer Bargeld dabei haben, wenn man als Brunese über der Grenze doch was kauft. J

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