Rückkehr nach good old Germany

Ja, ich bin zurück in Deutschland, fuchse mich hier wieder gut ein und finde den Herbst gerade noch toll und spannend – diese Farben der Bäume… so langsam wird’s bunt. Aber wir spulen nochmal 2 Monate (oh je schon so lange her!) zurück: Die Rückreise war sehr emotional. Ich war diesmal ja schon etwas vorbereitet, weil ich mich noch erinnerte, wie es an Weihnachten war, auf Deutschlandbesuch zu kommen, und konnte mich mental etwas drauf einstellen. Der Abschied in Brunei war sehr herzlich – ich habe in den letzten Wochenenden nochmal mitgenommen was geht. Viele Ausflüge und kleinere Wanderungen in Brunei, denn die Grenzen waren und blieben ja nach wie vor dicht. Dafür habe ich nochmal viele Ecken in Brunei selbst kennengelernt. Viele Erinnerungsfotos wurden gemacht, und Keith zeigte mir eine Stelle im Wald „Hier muss ich immer an dich denken“, denn ich hatte ihm von der Mathematik in der Natur erzählt… lange Geschichte, aber so herzerwärmend dass ich dort irgendwie Fußspuren hinterlassen habe. Der Abschied im Büro war auch sehr herzlich, es gab Geschenke, verbunden mit vielen Erinnerungen, und jeder des Teams hat von mir noch einen persönlichen Abschiedsbrief bekommen.

Ein Abschiedsbufett gabs am Freitag auch nochmal. Die Frage, was ich an Brunei am meisten vermissen werde? Schwer zu beantworten, definitiv die Menschen, die nicht nur zu Kollegen, sondern auch zu Freunden geworden sind, die Natur, der Klang des Regenwalds, schon auch die Sonne, die jeden Tag scheint, gewisse Gerichte, frischen Fisch vom Jerudong Markt, die Abende draußen, da es ja nie kalt wird, und und und. Ich habe mich auch wieder ein bisschen auf Deutschland gefreut, wieder klettern gehen, meine Freunde hier, Familie wiedersehen, … und am liebsten würde ich in beiden Welten leben, aber es sind zwei verschiedene Welten, die dann doch weit auseinander liegen. Für eine Woche Urlaub ist es definitiv zu weit. 

Also, nochmal die Wochenenden so gut es geht nutzen, und dabei sind noch paar tolle Fotos entstanden. Wir waren nochmal Wasserfälle jagen, und haben im Unterholz einen kleinen grünen Gecko entdeckt, oder wie auch immer dieser Grünling da heißt😊  Aufgrund Corona war mein Rückflug etrem unsicher. Der erste gebuchte Flug wurde verschoben, dann fiel er ganz aus. Nach mehrfachem Nachfragen erfuhr ich, dass es gar keine Flüge mehr im August gibt. Also, stornieren, komplett neu buchen bei einer anderen Gesellschaft. Und Daumen drücken. Ich hatte jedoch ein gutes Gefühl dass die Verbindung stabil ist. Aber wie es so ist, wenn der Wurm drin ist – 3 Tage vor Abflug legts mich flach mit Lebensmittelvergiftung, die erste und einzige in der ganzen Asienzeit. Brunei lässt mich nicht los, … wir verschieben den Flug um eine Woche, ich hätte die Reise nicht geschafft. Ein Zeichen? Wer weiß, … nun, dann also trotzdem Sachen packen, und mit Übergepäck ab nach Hause. Ein Teil meiner Sachen und Ausstattung bleibt in Brunei und wird gespendet, und trotzdem hab ich am Ende zu viel. Der Abschied am Flughafen war nochmal ganz komisch. Einige vom Team waren da, und haben gewunken, als ich durch die Glastür verschwunden bin. Das war so traurig, ab in den Tunnel, in die andere Welt. 

Die Reise war spannend – aufgrund Corona alles anders. Natürlich nur mit Mundschutz, aber auch die Flughäfen war so leer. Ich bin in Kuala Lumpur zwischengelandet – ein dunkler Flughafen. Die Gänge dunkel, nur Notbeleuchtung, alle Shops geschlossen, keine Menschenseele. Wie ein Geisterflughafen. Ich hatte 6h Zeit, 6 Stunden, die ich irgendwie verbringen musste, ohne einzuschlafen. Die Lounges waren geschlossen, die Restaurants, …alle Stühle nach oben geklappt. Nun, ich fragte jemanden, wo man denn hinkönne „Sie müssen hier bleiben“, war die Antwort. Okay, also mal auf eigene Faust etwas herum spaziert und einen kleinen Kiosk gefunden, der offen hatte. Immerhin! Eine Sitzmöglichkeit, ein Salat und ein heißer Tee – perfekt, mehr braucht es nicht. Weiter gings nach Doha, nun auch mit Mundschutz und Visier. Das ist als Brillenträger echt blöd, denn die Brille beschlägt schnell. Selbst im Flieger gab es die Anweisung, mindestens den Mundschutz anzulassen, trotz genügend Abstand. Ich konnte gut schlafen, habe Filme geschaut, und hatte damit eine entspannte Reise. Der Flughafen in Doha war etwas belebter, ein paar Geschäfte hatten geöffnet, und in der Lounge gab es erstmal ein super gutes Frühstück. Gelandet bin ich in Frankfurt, und echt, ich gebe es zu, das war komisch. Den Taunus von oben zu sehen – Nadel-/ Mischwald – und zu wissen, jetzt bin ich zurück in Deutschland. Nach dem aufwühlenden Abschied in Brunei nun hier anzukommen, da flossen ein paar Tränen. Das wühlt einfach auf. Ich dachte an Brunei, und wie mein Projektleiter schrieb „Dein Platz ist leer“. 

Meine Wohnung in Köln war verlassen, ich würde auch sagen, sie riecht anders. Na klar, überall staubig, man fühlt ihr an, dass hier lange keiner gewohnt hat. Dass es komisch für mich wird und ich zeit werden brauche, bis ich mich wieder einlebe, habe ich vermutet, so dass ich sie mir diesmal auch ganz bewusst genommen habe, heißt: Wenige Termine, Freunde und Familie nur nach und nach sehen, viel Zeit lassen für mich und alles nochmal zu verarbeiten. In Ruhe auspacken, ankommen. Ich freue mich, wieder in Deutschland zu sein, der Sommer zeigt sich Ende August und Anfang September auch noch einmal von seiner richtig schönen Seite, ich genieße die Tage, mit Laufen, Wandern und wieder klettern. Klettern war am Anfang komisch, schwierig, steif, unsicher, ich merke aber, dass es wieder wird. Der Körper erinnert sich. Laufen ist super, auch bei 29 Grad – alle sagen hier „Das ist doch viel zu warm“, ich finds recht erfrischend und wunderbare Luft. :-P  Wie wundervoll so ein Nadelwald riecht!!? Die Wahnbach Talsperre, … die wir wandernd umrunden. Das Siebengebirge, mit seinen 7 Gipfeln, wieder laufend zu entdecken (und an den Bergen sooo kämpfen, weil ich keine Berge mehr gewohnt bin). 

Ich merkte auch, dass ich hier den „Neuanfang“ bzw Tapetenwechsel brauche – die lange Zeit im Ausland verändert einen, verändert die Perspektive, bringt einen weiter, und das nehme ich natürlich mit zurück. Ergo: Ein Umzug steht an. Eine Weiterbildung steht an. Ein neues Projekt. Ein „Abteilungs“ (Chapter) Wechsel in der Firma, … man könnte meinen, die Veränderung liegt mir im Blute. Manches Altes löst sich, wenn man nicht damit rechnet, und auch das tut unglaublich gut und befreit. Vielleicht ist eine Lektion gelernt und Knoten lösen sich. Ich sehe den Himmel wie mit Kinderaugen, die Farben, die Gerüche – es ist anders als in Brunei. Auch besonders. Wie oft sehen wir das nicht oder verpassen das, weil es Alltag ist, doch das Wundervolle liegt im Kleinen. Ich bin mit einer Freundin im Hohen Venn wandern, die Landschaft ist unglaublich toll dort. Der Rhein ist schön, auch schön, am Flussufer zu sein und Steine ins Wasser zu werfen, ohne dass man Angst vor einem Krokodil haben muss. Wir wandern im Ahrtal in den Weinbergen und verkosten Wein – etwas, was in Brunei nie möglich wäre. Wir sitzen beschwipst in der Sonne und genießen die Landschaft, die Weinberge sind bezaubernd. Fremde Menschen sprechen deutsch, es dauert ca. 5 Tage, bis ich das wieder hinkriege und mich nicht jedes Mal wieder drüber wundere. Aber nicht nur der Wein schmeckt, sondern auch das lokale Obst - ich genieße noch die Beerenzeit (Beeren gibts in Brunei quasi nicht, und wenn, kann man sie sich kaum leisten), Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschkuchen.
Ich bin neugierig und freue mich auf das, was kommt. Gehe ich nochmal nach Brunei? Vielleicht, wenn die Möglichkeit gegeben ist, aber wir müssen auch schauen, wie sich die Welt mit Corona weiter entwickelt. Ich nehme mir weiterhin Zeit, noch die älteren Blog Beiträge und Fotos hochzuladen, damit sich die leeren Buchseiten noch füllen, und dann beginnt ein neues Kapitel – und jedes Kapitel beginnt mit einer ersten leeren Seite, mit einem neuen Wort. Mal sehen, was geschrieben wird. 

Zum Abschluss noch ein Zitat

 

„Change is never painful.

Resistance to Change is painful.”

(Buddha)

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Kommentare: 1
  • #1

    rose krause-schäfer (Montag, 19 Oktober 2020)

    ach sophie...so schön, dass du wieder da bist und greifbar bist... ich glaube, das du beruflich noch viel unterwegs sein wirst...da warten noch sooo viel neue dinge darauf von dir gefunden zu werden. behalt dir den spaß am neuen im leben... grüzzles